Die Christen und die Kinder – wird St. Augustinus in GE bestehen bleiben?

Roberto Randelli (SPD)

Gelsenkirchen. Recht eindeutig hat sich Hr. Randelli (SPD) – nach eigener Auskunft bekennender Katholik – bestürzt gezeigt über das Geschäftsmodell Überbelegung des Kinderheims St. Josef zu Lasten des Kindeswohls durch den katholischen Träger St. Augustinus Heime GmbH in Person von Hr. Weingarten, der selbst die Verhandlungen führte. Die Darstellung von St. Augustinus, sie würden mit Kindern kein Geld verdienen, sondern hätten auf der anderen Seite enorme Ausgaben, zum Beispiel in einem Jahr sogar Miese gemacht, führte bei den Ausschussmitgliedern beinahe zu wütendem und zynischem Gelächter im Ratssaal. Die Zuschauer waren eher erstarrt, ob dieser Darstellung.

Recht sachlich und pointiert erwiderte Dr. Pruin (SPD) auf die Einlassung des Rechtsvertreters von Hr. Weingarten – Professor (?), dessen Name niemand verstand, weil er auch sonst schnell und leise redete, eher nuschelte – zu der Frage, was mit dem Kinderheim verdient worden sein: „Sie sagen zwar, dass das Kinderheim kein Hotel sei, mit dem man groß Gewinne machen könne. Sie haben es aber offenbar wie ein Hotel geführt.“

Die aktuelle Haltung der katholischen Kirche zu Geld, stellen wieder einmal die ARD-Mitarbeiter von Monitor ins Licht der Öffentlichkeit. Zur gewünschten Vorstellung von St. Augustinus als Teil von „Bescheidener Kirche“ stellten auch im Rund des Ratssaals alle Ausschussmitglieder jeder sein Fragezeichen. Das war an ihrer Haltung und an ihren Äußerungen abzulesen. Keine Gewinne machen, dass zeigt auch der Monitor-Beitrag, ist eine Attitüde, die auch für die Kirchengemeinden ein Muß in der öffentlichen Darstellung ist. Damit hält die katholische Kirche einen Mythos aufrecht, der ihre Glaubwürdigkeit in Fragen der Nächstenliebe bespielt. Wer, wie ich, seinen Zuvieldienst bei der Caritas in einem Altenheim gemacht hat, weiß schon lange, dass dieser Mythos mit der Realtiät nichts zu tun hat.

Nun für Herrn Randelli war das alles wohl neu. Ob er wie ich seine Haltung überdenken wird, ob es angesichts dieser Szenarien noch tunlich ist, Mitglied der katholischen Kirche zu sein, wird er mit seinem Herzen und seiner Familie ausmachen. Wohl dem, der eine Familie hat, mit der er so etwas besprechen kann. Den Kindern im St. Josef geht eine solche Beziehung zu ihren Eltern meist ab. Für sie wäre das ein Luxusproblem.

Nun, da die Moral nach der Existenzsicherung kommt, wie wir seit Brechts Dreigroschenoper wissen, ist das Verhalten insgesamt nicht verwunderlich.

Das Haus St. Josef, so Hr. Weingarten, war im Jahr 1997 mit einer sehr geringen Auslastung praktisch Pleite. Da muss man natürlich eine Absprache, die von einem Jugendamtsleiter kommt und ihm quasi aufgedrängt wird, fast dazu genötigt wird, annehmen, die Zahlen zulasten des Kindeswohls zu verbessern. Das ist im Geschäftsbericht von St. Augustinus auf Seite 79 (dig. S. 41) nachzulesen.

Die permanente Überbelegung mit Anzeige des ehemaligen Mitarbeiters Dirk Hausberg im Jahr 2013 brachte dann eine Konsolidierungsnotwendigkeit hervor:

„Aber auf Grund der angespannten Situation in den kommunalen Haushalten bestehen Bestrebungen, die ambulante vor die stationäre Versorgung zu stellen. Auf Grund des im Berichtsjahr 2013 erfahrenen Belegungseinbruchs wird das Jahr 2014 für die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Josef ganz im Zeichen der Konsolidierung bzw. Sanierung stehen.

Zum 01. Februar 2014 haben wir eine neue Betriebserlaubnis gem. § 45 SGB VIII mit insgesamt 102 Betreuungsplätzen (alt 96 Betreuungsplätze) erhalten. Darüber hinaus wurde durch das örtliche Jugendamt einer Entgeltverhandlung nach § 78d Abs. 3 SGB VIII zugestimmt, da sich unvorhersehbare wesentliche Veränderungen der Annahmen ergeben hatten, die der für die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Josef am 21.05.2013 geschlossenen Entgeltvereinbarung für den Vereinbarungszeitraum 01.06.2013 – 31.12.2014 zugrunde lagen. Die durchzuführenden Entgeltverhandlungen stehen unter der Maßgabe der zum 31.12.2012 durch die kommunalen Spitzenverbände [Red.Anm.: =Landesjugendamt – LWL] gekündigten Rahmenverträge nach § 78 a – f SGB VIII und des Auslaufens des durch die beiden Vertragsparteien vereinbarten Moratoriums zum 31.12.2013. Bei einer für das Jahr 2014 prognostizierten Auslastung von 98%, der Ausweitung der Betreuungsplätze ab dem 1. Februar 2014 auf 102 Betreuungsplätze sowie der angestrebten Entgelterhöhung gehen wir von einer Steigerung der Erträge aus Heimpflege und Betreuung von rund 0,5 Mio. Euro auf ca. 5 Mio. Euro aus.“        S. 89 (dig. S. 46)

Dem Haus geht es mit einer Erhöhung der Belegung von 96,5 auf 98 % und mit einer Platzzahl von 96 auf 102 regelrecht gut. Ob es den Kindern dabei auch gut geht, oder ob ihnen der nötige individuelle Freiraum durch die Kapazitätserhöhung genommen wurde, ist nicht bekannt. Ich musste leider zeitig gehen. Daher muss ich noch einmal nachfragen, ob dieser Teil des Berichts noch Gegenstand der Erörterung im Ausschuss war.

Ein Blick in die Rechnungsprüfungsordnung der Stadt Gelsenkirchen, die mir auf meine IFG-Anfrage hin übersandt wurde, lässt jedenfalls erahnen, dass diese neue Absprache mit seinen Hintergründen dem Dezernat 14 zu melden war. Damit hätte bei der Stadt zwangsläufig schon im Jahr 2014 der ein oder andere von der Überbelegung als Geschäftsmodell gewußt. In den RPO-Bericht wollte diese unangenehme Wahrheit aber wohl nicht so recht einfließen.

Die Moral von der Geschicht: Scheinheiligkeit gibt es halt nicht nur unter Christen.

Nicht zu vergessen ist jedenfalls der bestimmende Einfluss des Bistums auf St. Augustinus, den der Geschäftsbericht auf Seite 36 (dig. 20) bei einem anderen Haus grundsätzlich als bestimmend für die Geschäftsführung so darstellt: „In diesem Zusammenhang muss auf die Bestrebungen seitens des Bistums Essen hingewiesen werden…Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine derartige Schwächung der größten Gesellschaft unter dem Dach der St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH gravierende Folgen für die anderen Einrichtungen nach sich zieht – bis hin zur Zerschlagung unseres für die Versorgung der Stadt Gelsenkirchen unverzichtbaren Konzerns.“

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Ein Gedanke zu “Die Christen und die Kinder – wird St. Augustinus in GE bestehen bleiben?

  1. Muss ganz ehrlich sagen, dass ich Teile dieser Berichterstattung u. Bewertung nicht verstanden haben. Möglicherweise liegt es an der fortgeschrittenen Tageszeit od. dass ich ziemlich müde bin, nachdem ich viele Stunden an einem Flyer am PC gearbeitet habe. Aber wäre es möglich mir die Rolle von Ro.Ra.in dem dargestellten Szenario noch einmal deutlicher, ggf. in einer persönlichen Notiz über FB nahezubringen. Ich habe weder die sachliche Schilderung seines Verhaltens od. Kommentierens verstanden noch die vorgenommene Kritik (was nachvollziehbar ist, wenn man die Basis dafür im Kopf nicht klar hat). Ich bin ein ganz sachlicher Leser u. möchte es einfach nur versehen. Bitte um Unterstützung, denn ich verfolgen die ganze Diskussion sowie die Aufklärungsaktivitäten sehr interessiert. Danke!

    Liebe Manuela, tut mir leid. Ich schreib keinen Bericht mehr, wenn ich Fieber habe. Der Bericht ist schlecht geschrieben. Entschuldige bitte. Auf eine erste Kritik hin, habe ich gestern sofort reagiert und einen neuen Bericht zum Thema geschrieben. Diesen hier muss ich noch entsprechend kürzen und umschreiben. Das geht so nicht. – Zur Genehmigung deines Kommentars: Dieser Blog ist so eingestellt, dass Leser ihren ersten Kommentar genehmigt bekommen müssen. Danach sollte es fluppen.

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