GE: Gresch gegen St. Augustinus GmbH – Ein Prozess mit einem „Bauernopfer“ der Korruption

Gelsenkirchen. Einleitend möchte ich darauf hinweisen, dass es mein Bericht in zwei Teile aufgeteilt ist. Im ersten Teil zeichne ich ein Stimmungsbild von der Verhandlung im Arbeitsgericht. Im zweiten Teil geht es um ein paar zusätzliche Fakten, die von der WAZ nicht genannt worden sind, die aber für die Arbeit im Aufklärungsausschuss von Bedeutung sein können.

Der gestrige Arbeitsgerichtsprozess in Sachen Gresch gegen die St. Augustinus GmbH hatte eine besondere Note. Das lag nicht allein an dem blauen Schal eines ehrenamtlichen Richters. Es war mehr die im Fortgang der Verhandlung allgemein wahrnehmbare Stimmung vielfältiger Versuche von bestechlicher Forensik, die einhergeht mit Lügengebäuden, die nun eingerissen werden sollen, und sich dagegen zu wehren versuchen. Hier wie dort. Dem Insider deutlich bewußt; dem aufmerksamen Zuschauer und Zuhörer nur nach und nach entfernt wahrnehmbar: Hat sich im Zuge der Entwicklungen rund um das St. Josef Kinderheim eine Struktur aufgebaut, die Angst und Schrecken machen kann. Diese Äußerung hörte ich nach dem Gerichtstermin in ähnlicher Form von einem ehemaligen Mitarbeiter des St. Josef Heims.

Johannes Norpoth war mit Klaus Wittka  beim Termin

Wie schwer von außen zu durchschauen diese Strukturen sind, wird durch die dreistündige Verhandlungsdauer deutlich. Für die drei Richter und das interessierte Publikum schien es schier unmöglich Fakten festzuzurren, die nicht bald wieder an einem seidenen Faden zu hängen schienen. Am Ende, um das vorwegzunehmen, werden die Hauptbeteiligten wohl Opfer des Systems sein, dass sie selbst aufgebaut, gepflegt und durchexerziert haben. Dass Menschen unter diesem System leiden, gelitten haben und leiden werden, ist wohl Teil des immensen Schadens den korrupte Systeme hervorbringen.

Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter seiner ehemaligen Leiterin nach Prozessende dies unbedingt verbal mit auf den Weg geben muss, um sich eine gewisse Erleichterung und Genugtuung zu verschaffen, dass nun sie als Leiterin selbst „Opfer“ dieses Systems wird, dann wird die gewaltige Energie deutlich, die im Verborgenen schlummert. Um sich die Freiheit zurück zu erorbern, die mit dem Verlust der kreativen und menschlichen Kraft im mitmenschlichen Miteinander durch „das System“ einher gegangen sein muss, ist diese Form der Ansprache das adäquate Mittel auf dem Forum der öffentlichen Verhandlung im Gerichtsgebäude. Das ist das Gute an so einem öffentlichen Prozess. Dass über die Verletzungen sich artikuliert werden kann. Zumindest ansatzweise. Das macht die Türen zur Wut frei.

Bischof Overbeck beim 4. K+D Kongress: Vertrauen und Wertschätzung, wenn Mitarbeiter sich den erschwerten Arbeitsbedingungen stellen

Leider war der wichtigste Mann in diesem System, der Konzern-Geschäftsführer Peter Weingarten, zur hellgrauen Oktober-Mittagszeit nicht ins Gericht gekommen. Mir wurde das Gerücht zugetragen, dass Herr Weingarten beurlaubt oder suspendiert worden sei. Eine Nachfrage beim Konzernjustitiar von St. Augustinus, Herrn Klaus Wittka, noch im Gerichtssaal, lässt aus seiner Mimik und Gestik den Rückschluss zu, dass das Gerücht einen zutreffenden Sachverhalt beschreibt. Ich äußerte gegenüber dem Überbringer der „Nachricht“ mein Bedauern, wenn dies zutreffend wäre. Auch, wenn ich möglicherweise durch meine vor kurzem getätigte Nachfrage beim Bistum Essen, wer denn die Aufsicht über die St. Augustinus GmbH und seinen Geschäftsführer habe, eventuell dazu beigetragen haben könnte.

Peter Weingarten

Die vorübergehende oder nachhaltige Entfernung von Menschen, wie Herrn Weingarten, die zur Aufklärung viel durch ihre Offenheit beigetragen haben und weiterhin beitragen können, halte ich für einen Fehler des Systems, das durch Personalisierung des Unrechts glaubt die Strukturen aufrecht erhalten zu können. So funktionieren leider korrupte Systeme. Den Menschen, wie Frau Gresch und Herrn Weingarten droht die Entlassung aus dem Dienst, obwohl sie genau das gemacht haben, wofür ihr Arbeitgeber sie beschäftigt hat. Sie haben einzeln und zusammen auf den geschäftlichen Erfolg hingewirkt. Ohne Rücksicht auf Verletzung. Weder haben sie die Kinder und das Kindeswohl bei der Überbelegung, noch das Wohl der Mitarbeiter durch die ständige Überbelastung, interessiert. Ganz im Sinne des Bistums Essen, das Zahlen sehen will; und dafür sogar eine K&D GmbH installiert hat, um die Geschäftszahlen für den Konzern insgesamt hoch zu halten.

Dem Faktenbericht der WAZ wäre insofern noch hinzuzufügen, dass es leidende Menschen nicht nur im Bereich der St. Augustinus Heime GmbH gibt, sondern auch auf Seiten des Jugendamts. Auch hier, sowohl auf Seiten der Leistungsberechtigten – Kinder wie Eltern – als auch auf Seiten der Mitarbeiter.

Diese Leiden werden nur beendet werden können, wenn sich Kirche, Politik und Verwaltung darüber im Klaren sind, dass die Personalisierung von Unrecht nicht das Unrecht im System beseitigt, sondern nur die einfache Lösung verheißt, dass damit dem Übel ein Ende gesetzt würde.

Insofern ist es beinahe gleichgültig was Richterin Birte Kensy am 13.11.2015 verkündet.

Markus Potthoff, Controlling Bistum Essen – demnächst als Gast im AFJH?

Jedenfalls ist das Ergebnis dieser Entscheidung ohne die Aussage von Herrn Weingarten entstanden, was, wie wir aus dem Aufklärungssausschuss wissen, durchaus von großer bewegender Ehrlichkeit begleitet sein kann. Wenn Hr. Weingarten von Frau Gresch mehrfach zitiert wird, er habe kein Interesse am pädagogischen Konzept gehabt, und dass er gewußt und geduldet habe, welche Geschäfte in Ungarn getätigt wurden, da man auch in Rumänien oder Kasachstan Jugendliche in Auslandsaufenthalten hatte, was durchaus immer wieder mal Probleme machte, wird klar, was der Öffentlichkeit an erhellenden Erklärungen und Bestätigungen dieser Verhältnisse durch Herrn Weingarten mit seiner entwaffnenden Offenheit an diesem Tag entgangen ist. Ganz im christlichen Sinne „Räume für die Erfahrung dieser Werte zu schaffen“ ist uns allen – vor allem aber dem Gericht, das Herrn Weingarten im Aufklärungsausschuss nicht gehört hat – eine große Gelegenheit genommen worden, aus der Krise eine Chance für einen echten Neuanfang zu machen.

In diesem Sinne verharren wir in Demut der Dinge, die sich am 13.11.2015 durch das Gericht offenbaren, in dem Wissen, dass es eine Berufung bzw. Revision geben wird, da eine Entscheidung ohne die Aussage von Herrn Weingarten überhaupt keinen Sinn macht.

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