Arbeitsgericht heute: Zwei neue Kündigungen im Fall Gresch

Gelsenkirchen. Bei den heutigen beiden Güteterminen um 11 Uhr, die zusammen verhandelt wurden, wegen zweier Kündigungen der St. Augustinus Heime GmbH gegen die Leiterin des Jugendheim St. Josef, gab es wenig Publikum. Offenbar hatte nur die Presse Interesse an den Fällen. Möglicherweise, weil die Öffentlichkeit annimmt, derartige Kündigungen aus Verdacht seien vorgeschoben, um jemanden auf jeden Fall schlecht aussehen zu lassen. Das war im Fall einer Kündigung, die heute verhandelt wurde, dann auch ziemlich offensichtlich. Aber der Reihe nach.

Zwei Kündigungen vom 25.08.2015

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Dr. Prinz (ganz rechts) ist neu mit dabei

Die St. Augustinus Heime GmbH hat an Fr. Gresch am 25.08.2015 zwei Kündigungen übergeben. Eine Kündigung sei erfolgt, nachdem die beiden Berichte der BDO und der Deloitte Prüfungsgesellschaft erschienen sind, die weitere Fakten zutage gefördert hätten. Eine weitere Kündigung habe mit der Kenntnis von Fällen rund um den Tischler Hr. Küper zu tun, der von Fr. Gresch während der Arbeitszeit mehrfach missbräuchlich zu ihren privaten Zwecken eingesetzt worden sei.

Der Tischler

Hr. Küper ist als Tischler bei der St. Augustinus Heime GmbH angestellt, so die Beklagte auf Nachfrage von Richterin Birte Kensy. In einem Fall soll Frau Gresch ihn für Arbeiten bei einem Vorstandvorsitzenden der St. Augustinus Heime GmbH bestellt haben. Wenn man allein diesen Fall heraus nimmt, werden die anderen sechs vorgetragenen Fälle alle mit unglaubwürdig. Da erkennt ja ein Blinder, dass es hier nur um eins geht: Jemand möchte im Jugendamtskandal die ganze Schuld auf eine Person verlagern. Wenn man dann noch hört, dass die Fälle – von 2008 angefangen – über Jahre zurückliegen, wird das Ansinnen noch deutlicher. Wenn man weiterhin hört, dass eine Meldung eines Mitarbeiters im Jahr 2013 beim Arbeitgeber kein weiteres Nachfragen mit sich brachte, dann ist auch für den unbedarftesten Laien alles klar. Das Handeln von Fr. Gresch für ein Vorstandsmitglied wird von ihrem Arbeitgeber als privatnütziges Handeln vorgestellt. Dazu braucht es ein Menge Phantasie.

Frau Gresch macht ihren Job – dem Arbeitgeber fehlt es an Phantasie für redliches Handeln

Der Arbeitgeber St. Augustinus Heime GmbH hat heute ein Bild seiner eigenen Befindlichkeit in den Raum gezeichnet. Dr. Prinz, der Anwalt von Frau Gresch, machte hinreichend deutlich, wie sich dieses Bild darstellt; dass es dem Arbeitgeber offenbar nicht möglich ist, sich vorstellen, dass Frau Gresch als Leiterin des Heimes die Jugendlichen nach Ungarn geschickt hat, weil es ihr Job war.

Die Ausführungen des derzeitigen Jugendamtleiters Hr. Schreck, in der letzten Ausschusssitzung zur Aufklärung (AFJH) im Rathaus, machte im Ansatz deutlich, wie ein solcher Auslandsaufenthalt in die Wege geleitet wird. Da verwundert die Darstellung der Arbeitgeberin St. Augustinus Heime GmbH schon sehr, wenn sie darlegt, Frau Gresch sei für eine derartige Verschickung eigenverantwortlich tätig gewesen, um sich selbst zu bereichern. Selbst mit Geldzahlungen, die nicht sie, sondern der Kinderschutzbund getätigt hat, will man sie in die Schmuddel-Ecke stellen.

Richterin Kensy – ein Fels in der Brandung

Die Offenlegungen der systematischen, permanenten Überbelegungen des Jugendheims St. Josef zugunsten der St. Augustinus Heime GmbH als „Geschäftsmodell“, scheinen den Akteuren im Vorfeld offensichtlich so arg zuzusetzen, dass man als Beobachter annehmen möchte, dies nage an ihrem Verstand. Möglicherweise ist das aber auch nur die normale schmutzige Wäsche, die in Arbeitsgerichtsprozessen gewaschen wird, um sich selbst reinzuwaschen. Richterin Kensy blieb jedenfalls auffallend unaufgeregt. Das ganze „Theater“, das die Beklagte St. Augustinus veranstaltete, um eine Fristverschiebung vom Oktober in den Dezember zu erreichen, fruchtete letztlich nicht. Richterin Kensy verknüpfte bei ihrem leisen Beharren auf dem Kammertermin im Oktober die weise Hoffnung, dabei mehr Klarheit in die Sache zu bekommen.

Hintergrund: Der Öffentlichkeit fehlt es an Phantasie den Akteuren insgesamt zu glauben

Kammertermin 21.10.2015, 9:00 Uhr

So schön für St. Augustinus und Stadt die Vorstellung wäre, dass es sich bei dem Jugendamtskandal um das Handeln Einzelner handelt. Dagegen spricht die Wahrnehmung der Öffentlichkeit, dass es sich hierbei um eine Ausprägung von Filz und Vetternwirtschaft handelt. Zurzeit sieht alles nach dem Grundmuster der strukturellen Korruption aus, an dem St. Augustinus mit der Überbelegung und die Stadt mit ihrer Unkultur der fehlenden Kontrolle korruptiver Zustände beteiligt sind.

Leider ist die Öffentlichkeit nicht sehr daran interessiert zu erfahren, wie dies im Einzelnen aussieht. Der Alltag der Menschen kennt wichtigere Probleme. Jeder muss zusehen, wie er in diesen Tagen irgendwie durchkommt. Und vielleicht kann ja der eine oder andere zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, und von diesem System profitieren. Also will man es nicht so genau wissen. Vielleicht auch, weil klar ist, dass Akteure und Aufklärer so gut wie dieselben Personen sind. Da ist berechtigterweise nicht allzuviel zu erwarten.

Klar, wenn die zu Kontrollierenden die Kontrolleure kontrollieren, kann sich tatsächlich nichts ändern. In einem solchen Umfeld ist die professionelle Verhandlung vor Richterin Birte Kensy für die Öffentlichkeit insgesamt eine Bereicherung. Im Oktober darf demnach mit mehr Zuschauerinteresse gerechnet werden.

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