Teilbericht aus dem Gerichtssaal zum BDO-Bericht

Gelsenkirchen. Ein Teilergebnis aus der Güteverhandlung ist die Bemerkung vonseiten der Beklagten St. Augustinus Heime GmbH, wonach der BDO-Bericht noch nicht fertig sei.

Die Firma BDO ist eine Unternehmensbetreuungsgesellschaft, die auch freiwillige Prüfungen durchführt.

Fragt sich, zunächst, was geprüft werden soll? Und danach, welchen Wert solche Prüfungen haben? Denn das Unternehmen St. Augustinus Heime GmbH soll davon ja profitieren. Es bezahlt schließlich die Musik. Dann darf sie auch bestimmen, was gespielt wird. Ein makaberer Aspekt ist der, dass die BDO die jährlichen Prüfungen macht. Sie prüfen somit auch noch mal sich selbst. Na, Servus.

Als Richterin Kensy nach den Kündigungsgründen fragte, antwortete die Beklagte mit der Information, wonach Mitarbeiter des St. Josef Heims von Frau Gresch in Pecs/Ungarn eingesetzt worden sind. Das ist wohl mehrfach vorgekommen. In einem Fall für circa vier Wochen.

Da Frau Gresch die Heimleiterin ist, macht es Sinn, wenn sie es veranlasst hat. Dies ist, wie wir seit dem Vortrag von Hr. Meyer vom LWL in der ersten Hauptausschusssitzung am 04.05.2015 wissen, die reguläre Aufgabe der Heime, die Jugendliche ins Ausland verschicken, die Heime auch zu prüfen. Insofern ist die Einlassung der Geschäftsführung, dies sei auf Veranlassung von Fr. Gresch geschehen, eine logische Folge ihrer Tätigkeit für das Heim. Tatsächlich wollte die Beklagte mit dieser Bemerkung offenbar etwas als Kündigungsgrund darstellen, was bei genauerem Hinsehen diesen Tatbestand sehr wahrscheinlich wohl nicht erfüllt, sondern erst mal nur reguläre Tätigkeit für den Arbeitgeber ist. Weiteres müsste dargelegt werden.

Richterin Kensy gab der Beklagten auf, weitere Gründe zu nennen. Wenn der BDO-Abschlussbericht fertig ist, können daraus gewonnene Erkenntnisse offenbar nachgeschoben werden.

Im Zuge einer seriösen Prüfungsarbeit ist der Firma BDO zu wünschen, dass sie aus dem Bericht für die Beklagte kein Wunschkonzert von der Art, wie im oben Geschilderten macht. Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte Assessor Maas ja schon darauf hingewiesen, dass seine Mandantin aus dem Vertrag mit der Fa. Neustart/DKSB für sich keinen Gewinn gezogen hat. Das wird noch zu vertiefen sein.

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Begrüßung unter Vertrauten – auch im Gerichtssaal

Diese Bemerkung macht klar, man solle sich ansehen, was gewollt war. Gewollt war, dass Frau Gresch für ihren Arbeitgeber, das St. Josef Heim tätig wird. Die Maßnahmen wurden auch über Jahre durchgeführt. Aus dem Wollen wurde Handeln. Insofern hat der Arbeitgeber diese Arbeitsprozesse akzeptiert. Ob mit oder ohne seine Kenntnis wird möglicherweise rechtlich keine Rolle spielen.

Aber auch praktisch ist es mehr als zweifelhaft, ob die Organisation durch die Geschäftsführung so geregelt war, dass deren Nichtwissen in der Praxis überhaupt im Ansatz vorgelegen haben wird. Was zurzeit bekannt ist, standen Frau Gresch und die Geschäftsführung über Jahre auf einer Linie in Fragen wie das Haus, die Mitarbeiter und die Kids zu führen sind. Dafür spricht auch die langjährige Beschäftigungsdauer, die zur ordentlichen Unkündbarkeit führt. Und die Tatsache, dass mehrere Mitarbeiter in den Jahren gemeinsam entlassen wurden. Das wurde nach dem Termin in Interviews mit dem WDR bekannt. Der WDR berichtete kurz darüber in der Lokalzeit Ruhr am Freitagabend ab 19:30 Uhr.

Wie die Firma BDO das Bild vertrauter Zusammenarbeit mit ihrem Bericht zerstören wird, kann bislang nicht so recht vorgestellt werden. Möglicherweise an einem Knackpunkt, der mit den Überbelegungen zusammenhängt. Aber da will die Geschäftsführung ja nicht hin, wie wir schon in einem anderen Bericht gehört haben.

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