Stadt stellt Verdachtskündigung und Klage in Aussicht

Gelsenkirchen/Düsseldorf. Der WDR berichtet heute schon ab 19.10 Uhr vorab in der Aktuellen Stunde. Danach um 19.30 Uhr in WESTPOL. Die WAZ berichtet über ausreichende Belege, die eine Verdachtskündigung von Wissmann rechtfertigen. Eine Klage steht auch irgendwo im Text. Was damit gemeint sein soll, bleibt unklar.

WDR:
„Der Gelsenkirchener Jugendamtsleiter war auch nach Rücknahme seiner Nebentätigkeitserlaubnis weiter für das von ihm und seinem Stellvertreter gegründete Kinderheim in Ungarn aktiv. Damit hat er die Stadt Gelsenkirchen hintergangen. Das belegt eine der WDR-Doku-Redaktion „die story“ vorliegende E-Mail vom 11. Juli 2005 an das Kinderheim.

Der Jugendamtsleiter hatte der Stadt versichert, zum 1. April 2005 seine Tätigkeit als Geschäftsführer beim Kinderheim „Neustart“ einzustellen. Die „Aktuelle Stunde“ (19.10 Uhr) und „Westpol“ (19.30 Uhr) berichten dazu am Sonntag (10.05.2015).“

WDR. Der Skandal rund um das Jugendamt in Gelsenkirchen weitet sich erneut aus. Dies berichtet WESTPOL am Sonntag (10.05.2015, ab 19.30 Uhr im WDR Fernsehen). Der Leiter des Gelsenkirchener Jugendamts und sein Stellvertreter haben offenbar Geld damit verdient, schwer erziehbare Jugendliche in pädagogisch fragwürdige Maßnahmen im Ausland zu vermitteln. Sie haben ein Beziehungsgeflecht geknüpft, das offenbar niemand überwacht hat. Denn eine Art Aufsicht oder auch nur eine Übersicht über die verschiedenen Auslandsbetreuungen gibt es nicht.

Betreuung fernab der Heimat


Mit diesem Flyer wurde für das Heim in Ungarn geworben

Alfons Wissmann, Leiter des Gelsenkirchener Jugendamts, und sein Stellvertreter Thomas Frings haben 2004 im ungarischen Pécs eine Gesellschaft namens Neustart gegründet. Jugendliche sollten hier fernab der Heimat intensiv-pädagogisch betreut werden. Eine Nebentätigkeit, die die Stadt Gelsenkirchen erst genehmigt, dann wegen der offensichtlichen Interessenkollision untersagt. Beide überschreiben deshalb ihre Gesellschafteranteile an Familienangehörige. Aber im Hintergrund zieht Wissmann entgegen der Weisung seines Arbeitgebers weiter die Fäden. Der WDR-Doku-Redaktion „die story“ und WESTPOL liegt eine E-Mail vor, die belegt: Wissmann gibt den Mitarbeitern in Ungarn auch Monate später noch klare Arbeitsaufträge und Anweisungen: „Die Arbeit wird neu verteilt…Dieses ist keine Bitte, sondern eine Anordnung und ist zu befolgen…Ich erwarte nun täglich eine Mail von Neustart bezüglich der Tagesstruktur.“

OB kündigt juristische Schritte an


Frank Baranowski: Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) kündigt Konsequenzen an: „In den Unterlagen werden die Betroffenen schwer belastet.“ Dies sei für ihn jetzt der Punkt, um „weitere juristische Schritte einzuleiten.“ Die Vorwürfe müssten aufgeklärt werden. Die beiden Jugendamtsleiter waren nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits von der Kommune freigestellt worden. Der OB und die Stadtverwaltung stehen unter großem Druck. Gelsenkirchen ist Modellkommune für das Vorzeige-Projekt der Landesregierung „Kein Kind zurücklassen“. Doch gerade hier wurden Geschäfte gemacht auf dem Rücken von Schutzbedürftigen. Und niemand hat es verhindert.

Dichtes Beziehungsgeflecht

Wissmann und Frings haben in den Jahren ein dichtes Beziehungsgeflecht für die ungarische Firma Neustart geknüpft. Die Kinder wurden über das St. Josef-Heim in Gelsenkirchen nach Ungarn vermittelt. Mit der Einrichtung haben die beiden eine Kooperation vereinbart, wie ein Vertrag zeigt, der WESTPOL vorliegt. Im St. Josef-Heim werden auch viele Kinder aus anderen Städten betreut, und Wissmann kennt die Leiter der umliegenden Jugendämter gut. Allein Gladbeck hat fünf Jugendliche in die Einrichtung nach Ungarn geschickt. Kosten: 357.000 Euro.

Die Gelder flossen über das Konto des Kinderschutzbundes in Gelsenkirchen. Denn dort sitzt der stellvertretende Jugendamtsleiter Thomas Frings im Vorstand. Die übrigen Vorstandsmitglieder des Gelsenkirchener Ortsverbands wollen von den Ungarn-Geschäften nichts gewusst haben, dabei ist der Kooperationsvertrag mit Neustart von einer Frau im Vorstand unterschrieben worden. Nach WESTPOL-Recherchen ist auch sie gleichzeitig Mitarbeiterin des Jugendamts Gelsenkirchen. Der Dachverband des deutschen Kinderschutzbundes hat nach eigenen Angaben keine Möglichkeiten gehabt, diese Verquickungen zu bemerken und zu verhindern.

247 Kinder weltweit verschickt

Wie kann es sein, dass die Machenschaften jahrelang nicht bemerkt werden? Bei der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen werden die Jugendämter nicht kontrolliert. So bestätigt das Landesjugendamt Westfalen gegenüber WESTPOL: „Informations- oder Meldepflichten gegenüber dem Landesjugendamt bestehen nicht. Daten werden hier nicht erhoben.“ Niemand kontrolliert, welche und wie viele Kinder gerade im Ausland sind.

WESTPOL hat bei den 187 kommunalen Jugendämtern im Land nachgefragt, mehr als 70 Prozent der Behörden haben geantwortet. Ergebnis: 247 Kinder und Jugendliche sind in 22 Ländern untergebracht – mehr oder weniger über den ganzen Globus verteilt. Was dort genau geschieht, können theoretisch nur die Jugendämter wissen, die Kinder dorthin geschickt haben. Einige treffen ihre Schützlinge dort zweimal im Jahr. Andere beurteilen die Situation der Kinder nur vom Schreibtisch. Eine übergeordnete Aufsicht existiert nicht.


Stand: 10.05.2015, 06.00 Uhr


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